Verbesserte Arbeitsrechte als Weg aus der Armut
Viele bolivianische Arbeiterinnen und Arbeiter werden unfair behandelt von den Arbeitgebern. Damit sie ihre Rechte einfordern können, müssen sie diese kennen.
Viele bolivianische Arbeiterinnen und Arbeiter werden unfair behandelt von den Arbeitgebern. Damit sie ihre Rechte einfordern können, müssen sie diese kennen.
| Die Ernte vieler Kleinbauernfamilien in Bolivien reicht nicht zum Überleben. Um ihre Familien zu ernähren, arbeiten viele Männer als Erntehelfer auf den grossen Zuckerrohr- und Baumwollplantagen. Auch junge Frauen verlassen vielfach ihre Familie auf dem Land, um in der Stadt Geld zu verdienen. Viele von ihnen finden einen Job als Dienstmädchen. Eine Arbeit zu haben bedeutet aber nur selten, der Armut zu entfliehen. Neue Verfassung vs. soziale Realität Die 2009 verabschiedete neue Verfassung erhebt das Recht auf menschenwürdige Arbeit in die Kategorie der Grundrechte (Art. 46, I). Die fortschrittliche Verfassungsrealität kontrastiert aber mit der sozialen Realität: es gibt kaum formale, gesetzlich geregelte Arbeitsplätze in Bolivien. Ohne Arbeitsplätze kann es aber auch keine menschenwürdige Arbeit geben. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze ist eine wirtschaftspolitische Dringlichkeit. Ein weiteres Problem: Vier von fünf Personen arbeiten informell und unter sehr prekären Bedingungen. Stärkung der benachteiligten Branchen Angesichts dieser Situation erachtet das SAH die Stärkung der Arbeitsrechte als wichtigen Pfeiler im Kampf gegen die Armut. In Bolivien setzt sich das SAH auf mehreren Ebenen dafür ein. Auf Branchenebene unterstützt das SAH Gewerkschaften besonders benachteiligter Berufsgruppen, wie etwa der Dienstmädchen oder LandarbeiterInnen. In Ausbildungsprogrammen lernen die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter die geltenden Gesetze und internationalen Richtlinien kennen und ihre Möglichkeiten, diese Rechte durchzusetzen. Das Wissen wird an Veranstaltungen, mittels Broschüren oder über Radioprogramme vermittelt. So hat z.B. der Verband der Zuckerrohrschneider in Sta. Cruz ein eigenes Radioprogramm, das regelmässig ausgestrahlt wird. Darüber hinaus setzen sich die Gewerkschaften im sozialen Dialog mit Arbeitgebern und Behörden für bessere Arbeitsbedingungen ein. Kampagne für menschenwürdige Arbeit Eine an die breite Öffentlichkeit gerichtete Sensibilisierungskampagne macht den Zusammenhang zwischen prekären Arbeitsbedingungen und Armut bewusst. Dabei stehen regionale und nationale Diskussionsveranstaltungen, Veröffentlichungen und landesweite Radiosendungen im Mittelpunkt. Mittels Lobby und Advocacy werden gezielt die zuständigen staatlichen Institutionen angesprochen. In dieser Kampagne sind lokale NGOs, Stiftungen und das Regionalbüro der ILO wichtige Partner. |
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